Propstei St. Patrokli

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Ansicht WestwerkSeit 964 befinden sich die Gebeine des heiligen Patroklus am Fuße des Altars im Dom, wo sie bis heute –d.h. seit 1040 Jahren - verehrt werden. In den zurück liegenden Jahrhunderten, vor allem im Mittelalter, wurden die Gebeine immer wieder an Feiertagen in kostbaren Gefäßen aus dem Grab gehoben zur Ehre der Altäre. Beim Umhertragen des Schreins in feierlicher Prozession umschritt der Heilige also gleichsam den ihm zum Schutz empfohlenen Ort. Seine Strahlkraft, die Erinnerung an frühere Wunderheilungen Patroklus´ vermittelte den Menschen Schutz, Heil und Segen im Alltag. Derzeit wendet die St.-Patrokli-Gemeinde jährlich mehrere -zig Tausend Euro auf, um den Dom zu heizen, und notwendige Reparaturarbeiten bezahlen zu können.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Doms und der zugehörigen Nebengebäude finden Sie [Hier]

 

Wort zum 1. Dezember

Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen.

Jes. 2,3

 


Aus dem Bittscheiben des Patrokli Stiftes an Papst Clemens III um Unterstützung zur Wiederherstellung der Kirche vom 5. Juni 1765

...Unterdessen stehen seit unvordenklicher Zeit auf die von ihm als dem quasi Eigentümer von dem Volke erlangte Erlaubnis hin alle Türen täglich einem Jeden offen, sodaß durch die Kirche ein ebenso freier Durchgang besteht wie auf den übrigen öffentlichen Wegen.

Im Inneren ist keine Reparatur, ja nicht einmal eine Neutünchung erfolgt, obwohl solche gar oft gefordert und wiedergefordert wird. Jedem Wind und Regen stehen die Fenster offen; meistens strömen alle Regenwasser durch egwisse Gläser, die dort in altem festen Blei oder Eisen hängen und festgehalten werden, damitsie nicht herunterfallen, in die Kirche ein; Wasser und Schmutz von den öffentliche Plätzen und die von den Dächern strömenden Regenmengen durchdringen und durchziehen die Mauernvon oben und von unten, alle Innenwände bieten dar und zeigen, da der Kalk abgefallen ist, vielfach die nackten Mauern, und wenn diese nicht von Anfang an aus viereckig behauenen Steinen von den Fundamenten auf errichtet wären, so hätte wahrscheinlich die Kirche den seit vielen Jahren drohenden Einsturz schon erlebt; mit einem Wort, das Meißte in ihr ist, wenn nicht zerstört, so doch verwüstet. ...

(c) Dirk van Acken

Gründung des Doms und des Kollegiatstifts

Westlich der Petrikirche sind heute noch Reste einer Erzbischöflichen Pfalz aus der Zeit um 960 sichtbar.

Rund 160 Jahre nach Karl schenkte der Kölner Erzbischof Brun (heute: Bruno), der Bruder Kaiser Ottos des Großen, im Jahr 964 die Reliquien des Heiligen Patroklus aus Troyes [St. Patroklus in Wikipedia] an Soest. In seinem Testament verfügte Bruno die Gründung eines Kollegiatstiftes im Jahr 965. Zur Errichtung einer Stiftskirche stellte er die Summe von von einhundert Pfund Silber, außerdem Gefäße, Decken, Gewänder, Teppiche und Liegenschaften zur Verfügung.

Die Initiative Brunos zeigt, wie wichtig ihm die örtliche Lage und politische Bedeutung von Soest war.

Zur gleichen Zeit wie der Neubau der Soester Stiftskirche entstand nach einem Brand der Wiederaufbau der Kölner Pantaleonskirche im Jahr 966. Sie wurde nach seinem Tod Grabeskirche der Gebeine Brunos und später Kaiserin Theophanus. Die Soester Stiftskirche war zur Zeit Ihrer Entstehung baulicher Zwilling des Kölner Gotteshauses. In St. Pantaleon ist seit 1962 wieder eine flache Decke des Hauptschiffes – wie sie ursprünglich in Soest auch war - zu finden. Die ursprünglichen Obergaden (heute zugemauerten Fensterreihen im 1. Obergeschoss) hatten ein ähnliches Erscheinungsbild wie das der Soester Stiftskirche.

Abb. 1: Grundriss um 1120

So handelt es sich um einen einschiffigen flach gedeckten Saalbau mit weit ausladendem Querschiff. Die Apsis grenzt unmittelbar an das Querschiff an, das Querschiff besitzt keine Nebenapsiden. In seiner wenig gegliederten Bauart erinnert der ursprüngliche Hallenbau an die älteren Kaisersääle.

Über den gestrichelten Linien im unteren Teil des Grundrisses befand sich der westliche Turm mit quadratischem Grundriss. Die schwarzen Blöcke vor der Westfassade(unten) kennzeichnen zwei außen angebaute Treppenanlagen. Ein Mittelpfeiler im Zentrum des Westwerks wurde nach einem Brand während der Bauzeit ergänzt.

Von diesem ursprünglichen Bauwerk erkennt man von außen noch heute die Spuren, die sich in den zugemauerten Fenstern und dem Wechsel der Mauerung in den Obergaden zeigen.

Im Laufe der nächsten 200 Jahre wurde an der Stiftskirche kontinuierlich weitergebaut. So wurden die Seitenschiffe (in der Zeichnung hell), das vorgesetzte Westwerk mit den Kolonnaden und der Anbau der Westapsis (Marienchor) am nördlichen Querschiff vollendet. Die Decken der Seitenschiffe wurden als Gewölbe ausgebildet.

Erst im Jahr 1118, mit Vollendung dieser Ergänzungen vollzog der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Hauptweihe der nun zu einer stattlichen Größe herangewachsenen Stiftskirche.

Eine weitere große Baumaßnahme war die Einwölbung des Hauptschiffes im 12. Jahrhundert. Da immerhin 12 Meter zu überwinden waren, stelle dies eine statisch anspruchsvolle Maßnahme dar. In dieser Zeit wurde der Chorraum verlängert Die Apsis wurde in Form einer Viertelkugel ausgebildet. und die Kirche erhielt eine große Krypta im Bereich der neuen Apsis und unter der gesamten Vierung (gestrichelt). Das Querhaus und die Vierung wurden nun wie das Hauptschiff eingewölbt.

Abb. 2: Westwerk heute

Der Turm ruht nun auf den in 2 x 2 Achsen angeordneten neun tragenden Säulen. Die Außenwände des Westwerks sind zweigeschossig mit großen Geschosshöhen. Sie sind heute mit einem ¾ umlaufenden Pultdach an die Turmwände angebunden. Diese Ausführung verleiht dem Westwerk ein einzigartiges Aussehen und betont die Mächtigkeit des Turmes, der sich aus dem breiten Sockel erhebt.

Über Jahrhunderte war unklar, in welcher Zeit der Turm in seiner jetzigen Form errichtet wurde. Erst neuzeitliche Untersuchungen der Wachstumsringe im Gebälk ergaben, dass der Turm schon in der Zeit um 1180 die heutige Form hatte.

Das Tragwerk des Turms wurde über die Jahrhunderte immer wieder repariert und ergänzt (Abb. 3 unten: in unterschiedlichen Farben dargestellt). Dies führte zu der Kuriosität, dass seine Konstruktion statisch unbestimmt schien. Ein Nachweis der Standfestigkeit konnte über lange Zeit nicht geführt werden. Erst neuere Untersuchungen konnten die statische Festigkeit nachweisen. Auf diese Weise konnte die Konstruktion des Turms als Baudenkmal erhalten bleiben.

Abb. 3: Tragwerk

Nicht eindeutig nachvollziehbar ist der Zeitpunkt, zu dem eine profane Nutzung des Turmes im 1. OG eintrat und wie es zum Eigentum der Stadt Soest kam. In der „Soester Fehde“ (1444 bis 1449) emanzipierten sich die Soester Bürger gegenüber dem Kölner Erzbischof und konnten dessen Herrschaft abschütteln. Etwa zu dieser Zeit muss es einen Eigentumsübergang von Turm, Schiff und Querhaus an die Stadt gegeben haben. Später, zur Reformation wurden alle Kirchengemeinden in der Stadt – bis auf St. Patrokli - evangelisch.

Das Gotteshaus wäre nicht so erhalten geblieben wie wir es heute kennen, wenn nicht schon in dieser Zeit immer wieder Erhaltungsbemühungen der Zeitzeugen erfolgt wären. Ein Beispiel ist ein Bittschreiben aus dem 18. Jahrhundert.

Zerstörung und Wiederaufbau

Abb. 8: Zerstörungen im 2. Weltkrieg

Das nunmehr fast 1000 Jahre alte Gotteshaus wurde am 5. Dezember 1944 bei einem Luftangriff schwer getroffen. Trotz der Schäden an Gewölbe und Orgel war es noch möglich, Gottesdienste abzuhalten. Am 28. Februar 1945 durchschlugen die Bomben bei einem weiteren Fliegerangriff das Gewölbe und zerstörten den restlichen Teil der Orgel. Schließlich zerstört am 7. März 1945 eine Bombe das Fundament der Südseite, wodurch der Hauptchor bis zur Hälfte des Chorquadrats einstürzte. Danach waren keine Gottesdienste mehr möglich.

Die Bombenschäden waren so groß, dass der Soester Architekt Heinrich Schäfer mit der Wiederherstellung beauftragt wurde.

Die Planung der Wiederaufbauarbeiten wurde unter seiner Leistung zügig aufgenommen, so dass schon am 9. Juni 1946 der Grundstein der neuen Apsis gelegt werden konnte. Unter handfestem Einsatz der Katholischen Vereine wurden die Erd- und Steinmassen aus der Krypta bis zum 11. Juli 1947 beseitigt.

Unter weiterem Einsatz Freiwilliger und von Fachunternehmen konnte am 1. Mai 1948 im teilweise wiederhergestellten Dom in einer Feierstunde den Mitwirkenden und Helfern für ihren Einsatz gedankt werden. Ab dem 2. Mai fanden nun wieder regelmäßige Sonntags-Gottesdienste statt. An Wochentagen feierte die Gemeinde wegen der noch unvollendeten Restarbeiten im Dom ihre Gottesdienste in der Nicolai-Kapelle. Nach der feierlichen Übertragung des Reliquienschreins des Heiligen Patroklus in den Dom konnte am 5. Juli 1948 die Weihe des neuen Hochaltars gefeiert werden. Zu dieser Zeit war allerdings die Nordwand des Westwerks noch in Trümmern und die Heizung nicht funktionsfähig. Erst am 14.12.1948 konnte die Heizung wieder in Betrieb genommen werden. Mehr als 2 weitere Jahre dauerte es, die Wiederherstellung der Nordwand und des Seitenschiffes am 10. März 1951 abzuschließen. Die Bausubstanz war damit weitgehend wiederhergestellt. Die Einrichtung und Ausstattung des Domes konnte erst in den folgenden Jahren erneuert oder rekonstruiert werden.

Die Feier der Gottesdienste konnte also schon 15 Monate nach der Zerstörung aufgenommen werden. Die Vollendung der Bausubstanz benötigte drei weitere Jahre. Diese Leistung war nur der respektablen Leistung aller Beteiligter zu verdanken.

Erneuerung und Wiederherstellung der Innenausstattung

Abb. 9: neu gestaltete Apsis

Nach der Wiederherstellung malte der Künstler Prof. Peter Hecker in der Zeit von 1949-1950 die Apsis in Anlehnung an die Vorbilder aus der Vorkriegszeit neu aus. Ansonsten stellte sich der Dom in diesem Zustand noch recht schmucklos dar: Es fehlte die farbliche Gestaltung und Ausmalung des gesamten Innenraumes, die nur in Fragmenten erhalten geblieben war. Die wertvollen Fenster waren nur noch teilweise erhalten, die Orgel war ein geliehenes Instrument der Firma Feith aus Paderborn. Das Geläut war unvollständig, bzw. so stark geschädigt, dass es nur eingeschränkt die Gläubigen zum Gottesdienst rufen konnte.

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