Propstei St. Patrokli

Altarkreuz

Abb. 11: Altarkreuz

Das 2,12 m hohe Altarkreuz aus der Zeit um 1400 ist auf der Vorderseite geschnitzt, auf der Rückseite gemalt. Die Bilder auf den quadratischen Enden der Kreuzbalken der Vorderseite stellen Evangelisten dar. Die Rückseite zeigt ein ebenfalls in rötlichen Farben gehaltenen Gemälde des Gekreuzigten vom Maler Conrad von Soest.

 

 

Das Kollegiatstift

Am ehesten beschrieb die "Statuta insignis archidiaconalis ecclesiae sancti Patrocli" aus dem 16. Jahrhundert (zur Zeit der Reformation) die Führung des Kollegiatstifts.

Ein Propst wurde damals vom Soester Kapitel aus dem Kreis des Kölner Domkapitels gewählt. Er residierte in Köln, vertrat das Stift nach außen und ließ Stipendien an die Kanoniker des Stiftes verteilen. Ein Dechant leitete das Kollegiatstift im Innenverhältnis und ernannte die Vikare. Der Dechant durfte allenfalls alle 4 Wochen das Stift verlassen. Neben der geistlichen Aufsicht über die Soester Pfarreien erweiterte sich im Laufe der Jahre seine Zuständigkeit zum Landdechanten für die Gemeinden zwischen Lippe und Möhne, von Werl bis Geseke.

Die Kanoniker lebten von Zinsen und Pachtabgaben aus dem Eigentum des Kollegiatstifts. In erster Linie nahmen sie liturgische und seelsorgerische Aufgaben wahr. Daneben waren sie als Lehrer tätig und besuchten auswärtige Universitäten. Ihr regelmäßiger Wohnsitz verteilte sich auf Stiftskurien: Häuser aus dem Eigentum des Stifts, die im Stadtgebiet von Soest verteilt sind.

Beispiel einer Stiftskurie

Beispiel einer Stiftskurie am Vreithof

Die Kanoniker lebten als Priester und Diakone in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Im Gegensatz zu den Regeln des Klosterlebens konnten sie jedoch ihr Vermögen behalten und selbstbestimmt jederzeit aus der Gemeinschaft austreten. 

Ab der Übernahme des Eigentums an Turm, Schiff und Querschiff zur Zeit der Soester Fehde nutzte die Stadt mindestens den Bereich des heutigen Dommuseums ausschließlich für eigene – profane - Zwecke. Nur die Apsis und der Chorraum verblieben im Eigentum des Stifts. Dort, wo sich im Westwerk heute das Dommuseum befindet, hatte die Stadt Soest ihre Rüstkammer und verwahrte dort ihre Waffen. Über 40.000 Armbrustbolzen befanden sich in ihrem Arsenal.

Erst 1797 konnten die Eigentumsverhältnisse wieder vereint werden, als das Stift der Stadt den Turm und das Schiff abkaufen konnte. Die Geschosse verblieben dort allerdings noch bis 1884. Bis heute jedoch gilt noch ein Wegerecht der Stadt durch die „Passe“: Sie hat also ein Wegerecht durch das Querschiff von Nord nach Süd und umgekehrt.

Abb. 4: Freiherr von Ledebur

Der letzte Stiftspropst im alten Sinne war Freiherr Friedrich Clemens von Ledebur. Er wurde durch Friedrich Wilhelm III., König von Preußen am 8.11.1804 zum Propst von Soest und zum Kanoniker zu Hildesheim ernannt. Bemerkenswert ist, dass er in dieser Zeit nur zum Subdiakon geweiht, also kein Priester war. Seine Amtszeit dauerte bis 1811. Erst Jahre später, also 1826, empfing er zu seiner Ernennung zum Bischof von Paderborn die Prieserweihe.

Die Französische Revolution und die Eroberung Westfalens durch die napoleonischen Truppen brachte es mit sich, dass auch hier das Kanonikerstift am 15. Juli 1811 aufgelöst wurde.

 

Veräußerung der Besitztümer des Kollegiatstifts

Abb. 5: W. Siebigk (ca. 1935): Stiftskurien (gelb) im Stadtplan von Soest des 19. Jhdts.

Die kirchlichen Immobilien, Gebäude, auch die Stiftskurien, also die Wohnhäuser der Kleriker (in Abb. oben gelb dargestellt) wurden größtenteils enteignet oder verkauft.

Abb. 6: Sigefridus-Schrein

 

Die Verkäufe aus der nun eingetretenen wirtschaftlichen Not des Stiftes erstreckten sich nicht nur auf Immobilien sondern auch auf wertvolles Inventar, das sich über Jahrhunderte angesammelt hatte. So ist auch zu erklären, dass das Stift den wertvollen, von Meister Sigefridus geschaffenen Patroklus-Schrein aus dem 14. Jahrhundert für 3021 Taler an die preußische Münze verkaufen musste, um dringende Reparaturarbeiten am Kirchenbau ausführen zu lassen. (Abb. 6, oben) Dort erkannte man den unschätzbaren Wert des Reliquienschreins und bildete mit ihm den Grundstock der Preußischen Skulpturensammlung in Berlin.

In den Wirren nach dem 2. Weltkrieg verschwand der Schrein aus dem Depot im Flakbunker Friedrichshain. Von den 16 silbernen Figuren, die das Kunstwerk schmückten, müssen mindestens acht als endgültig verschollen gelten.

Trotz der großen Verluste, die da Stift in diesen Zeiten erlitt, können heute noch Kultgegenstände aus seiner Zeit im Dommuseum besichtigt werden.

Geschichte des Kollegiatstifts in Zahlen:

 

um 780

Bau der ersten Petrikirche als Missionskirche

836

Erste urkundliche Erwähnung von Soest

954

Gründungsbau des Patroklistiftes durch Erzbischof Bruno von Köln

964

Überführung der Reliquien des Märtyrers Patroklus aus Troyes (Frankreich) nach Soest, Gründung des St. Patroklidomes

12. - 14. Jahrhundert

Höchste Blütezeit der Stiftes; 54 Pfarreien gehören dem Stift an. Geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit durch den Propst, der als Vertreter des Kölner Erzbischofs dem Stift vorsteht. Soest ist (mit ca. 10.000 Einwohnern) größte Stadt Westfalens und führende Hansestadt.

1417

Erste schriftliche Erwähnung der Allerheiligenkirmes

1444

In der "Soester Fehde" löst die Stadt Soest sich aus der Herrschaft der Kölner Erzbischöfe. Spannung zwischen Stadt und Stift, weil dieses sich auf die Seite der Kölner Erzbischöfe stellt.

1531

Beginn der Reformation in Soest. Die Stiftsherren weigern sich, die neue Glaubenslehre anzunehmen und verlassen die Stadt, ein Teil des Patroklidomes wird evangelisch.

1548

Dechant Johannes Gropper führt die katholische Lehre wieder ein, die Stiftsherren kehren nach Soest zurück, ihnen gehört der Ostteil des Doms bis 1812.

1811

Auflösung des Stiftes durch Reichsdeputationshauptschluss

1823

St. Patrokli wird rechtlich Pfarrgemeinde, der Dom Pfarrkirche und dem Bistum Paderborn zugeordnet.

1859

Wiedererhebung zur Propsteikirche; Eberhard Nübel wird der erste Propst als Pfarrer.

 

 

Krypta

Die Krypta steht während der allgemeinen Öffnungszeiten des Doms zur Besichtigung offen. Während der Gottesdienste, der stillen Anbetungen und den Zeiten zur Beichtgelegenheit in der Krypta ist das Betreten nur zur Teilnahme gestattet.

Seit dem 12. Jahrhundert besitzt der St. Patrokli Dom eine große Krypta, die sich ursprünglich von der Apsis bis zu ihrer Vierung erstreckte. Eine zweite, kleinere Krypta liegt unter der Sakristei südlich des Chorraumes.

Nach dem Niedergang des Kollegiatstiftes wurde sie im Jahr 1817 der Bereich der Krypta, der in der Vierung lag „gesprengt“, das heißt, der Chorraum wurde auf das umliegende Niveau eingeebnet und der Hohlraum verschüttet. Die Originalsäulen, Gewölbeteile und sonstiges Baumaterial der Krypta verblieben als Verfüllungsmaterial an ihrem ursprünglichen Ort.

Es bedurfte eines weiteren schicksalhaften Ereignisses, als im Jahr 1945 die Apsis durch Bombeneinwirkung zerstört wurde. Beim Wiederaufbau nahm der Architekt Heinrich Schäfer die urspüngliche Form wieder auf und konnte an Hand der wiedergefundenen Fragmente und Fundamente die Krypta in ihrer ursprünglichen Form rekonstruieren.

Abb. 13: Grundriss Krypta

Abb. 14: Schnitt Krypta

Abb. 13 und 14 (oben) zeigen Grundriss und Schnitt eines Rekonstruktionsentwurfs von Chorraum und Krypten. Heute stellt die Krypta einen besonderen Raum stiller Spiritualität dar. Ihre Dimensionen und die Innengestaltung mit dem Altar und Tabernakel des Bildhauers Michael Düchting und den Fenstern von Hans Kaiser laden zu einer besonders intimen Form des Gebets und der Feier von Gottesdiensten ein.

Abb. 15: Krypta heute

 

Zum Verständnis des Tabernakels und des Altares in der Krypta

Verständnisgrundlage für Altar und Tabernakel in der Krypta ist das Bild, das der Seher in der Johannes-Offenbarung beschreibt: „Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den sieben letzten Plagen getragen hatten. Es sagte zu mir: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes ... Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. ...Und der Engel, der zu mir sprach, hatte einen goldenen Messstab, mit dem die Stadt, die Tore und ihre Mauer gemessen wurden. Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Er maß die Stadt mit dem Messstab; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien. ... Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“

Wer Tabernakel und Altar aufmerksam betrachtet, findet ohne Mühe alles Wichtige aus dieser Vision wieder. Der Verfasser des letzten Buches der Bibel greift seinerseits zurück auf eine lange Überlieferung aus Israel.

Am Beginn steht das „Heilige Zelt“, das die Israeliten auf ihrer Wüstenwanderung mit sich führten. Dieses Zelt galt als Ort der Begegnung mit Gott, als „Bundeszelt“. Der hintere Teil des Zeltes war durch einen Vorhang abgeteilt, er galt als das „Allerheiligste“, denn dort wurde die Bundeslade aufbewahrt. Die Bundeslade betrachtete man als Thronsitz des unsichtbar gegenwärtigen Gottes. Wichtig: die Form des Zeltes war Mose in einer Vision gezeigt worden – er durfte dabei das Urbild des Zeltes im Himmel schauen, so daß schon Israels „Heiliges Zelt“ als Abbild des himmlischen Urbildes galt. Und noch wichtiger: das „Allerheiligste“ hatte sowohl im himmlischen Urbild als auch im irdischen „Heiligen Zelt“ die Gestalt eines Würfels bzw. eines Kubus – war also gleich lang, breit und hoch.

Als nach der Wüstenwanderung das Volk Israel sesshaft und Jerusalem die Hauptstadt geworden war, ließ König Salomon um 950 v. Chr. dort einen Tempel bauen – nach dem Vorbild des „Heiligen Zeltes“. Wieder war das „Allerheiligste“ ein Raum von gleicher Länge, Breit und Höhe, in dem die Bundeslade stand. Dieser Tempel wurde 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. In der darauf folgenden berühmten „Babylonischen Gefangenschaft“ schaut der Prophet Ezechiel in einer Vision wiederum „im Himmel“ einen neuen Tempel mit den gleichen Merkmalen, die der Tempel Salomons gehabt hatte.

Nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft konnte das Volk Israel den Tempel in Jerusalem nur recht notdürftig wiederaufbauen. Erst der berüchtigte König Herodes d.Gr. ließ einen Tempel in unerhörtem Glanz erbauen. Auch in diesem Tempel war das „Allerheiligste“ ein kubischer Raum – gleich lang, gleich breit und hoch -, abgetrennt durch einen Vorhang, völlig dunkel. Nur der Hohepriester durfte diesen Raum einmal jährlich betreten.

Jener herodianische Tempel stand zur Zeit Jesu. Er hat dort oft gelehrt. Bei Jesu Tod – so schreiben die Evangelien – zerreist der Vorhang vor dem Allerheiligsten, damit wird das Ende des Alten Bundes angezeigt. Im Sterben und Auferstehen Jesu schließt Gott einen Neuen Bund mit der ganzen Menschheit.

Jesu Sterben und Auferstehen wird – nach Seinen eigenen Worten im Abendmahlssaal – gegenwärtig im Sakrament der Eucharistie. Als dann im Laufe der Jahrhunderte die Christen darangingen, dieses sakramentale Zeichen des eucharistischen Brotes auch außerhalb der Meßfeier aufzubewahren, nannten sie es das „Allerheiligste“. Nun ist also das „Allerheiligste“ nicht mehr ein bestimmter Raum, sondern eine Person: Jesus Christus. Das Behältnis in dem das „Allerheiligste“ aufbewahrt wird, nannte man wieder „Zelt“, lateinisch „Tabernaculum“ = „Tabernakel“.

In der äußeren Gestalt des neuen Krypta-Tabernakels ist also uralte biblische Überlieferung aufgenommen: das Bild des „himmlischen Tempels“ bzw. des „himmlischen Jerusalem“, wie es beschrieben wird von Mose bis zur Offenbarung des Johannes: Länge, Breite und Höhe sind gleich, und aus dem Inneren dringt gleichsam das Licht durch die zwölf Tore, denn „ihre Leuchte ist das Lamm“.

Auch der Altar hat die Gestalt des Kubus. Auf ihm wandelt Gott ein Stück unserer Welt – das Brot und den Wein – in das Geheimnis der Gegenwart Jesu Christi. Himmel und Erde berühren sich hier – dargestellt in den goldenen Quadraten auf den Flächen. Auf vielen Bildern des Mittelalters kann man sehen, daß Gold in der Tradition als Farbe des Himmels, des Überirdischen gilt. Der Stein des Altares ist ein Stück unserer Erde.

Von Mose bis heute haben alle diese Bilder den gleichen Sinn: uns Menschen hinzuführen zu Dem, der in kein Bild zu fassen ist, zu Gott. Und Gott selber ist gegenwärtig in jenem Scheibchen Brot, für das jeder Tabernakel die Hülle bildet.

 

Die Wandmalereien im Marienchor

Marienchor Die Wandmalereien entstammen der Zeit um 1200. Sie stellen in der Halbkuppel die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind in der Mandorla dar. Seitlich sind die drei Weisen aus dem Morgenland, Hanna, Simeon und der Erzengel Gabriel gemalt. Die Medaillons im abschließenden Ornamentfries zeigen Darstellungen der Propheten. An den Wandpfeilern und in den Fensternischen sind Gestalten aus dem alten Testament, Vorbilder von Christus und Maria zu sehen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die Wandmalereien mit einer Kalkschlämme übertüncht. Ab 1861 nahm man die Kalkschlämme ab, ergänzte den Putz und übermalte die Originalgemälde im Stil des 19. Jahrhunderts. 1935 wurde diese Übermalung weitgehend entfernt, und man nahm zurückhaltende Retuschen und farbliche Ergänzungen vor. Ab 1953 wurden kriegsbedingte Schäden durch  Putzausbesserungen und eine großflächige farbliche Überarbeitung behoben. In den Monaten Juni bis August 2005 erfolgte im Rahmen der Sanierung des Innenanstrichs  im gesamten Dom eine Festigung der gelockerten Putz- und Farbschichten, eine Reinigung und eine Retusche von Farbausbrücken.

Aus dieser Zeit stammen auch die Fenster, die in dem Chor heute zu sehen sind.

Die Fenster von Hubert Spierling

linkes und mittleres Fenster

Plakate wollen überreden, nicht anregen zum Nachdenken, deshalb sind sie verständlich auf den ersten Blick, deshalb bleiben sie aber auch oberflächlich. Und umgekehrt: was tiefere Bedeutung hat, was gar anregen soll zur Besinnung und inneren Betrachtung, das bedarf der Geduld. Dann ist zum Verstehen auch Zeit nötig, wiederholtes Hinschauen, Hineinhören. Das gilt für einen Brief des Apostels Paulus wie für eine Fuge J. S. Bachs oder ein Gemälde Marc Chagalls.

Entsprechendes gilt auch für die im Herbst 2005 neu eingesetzten Fenster im Marienchor. Dem flüchtigen Blick erschließen sie sich nicht, sondern erst dem geduldigen Schauen; sie wollen nicht überreden, sondern hinführen zur Betrachtung der Geheimnisse unseres Heiles. Wirkliche „Mysterien“ sind in einfach eingängigen, „naturgetreuen“ Abbildungen nicht darzustellen. Nachfolgend einige wenige schüchterne Verständnishilfen.

Die Aufgabe

Der Künstler war aufgefordert, die Fenster so zu gestalten, dass die romanischen Wandmalereien den Vorrang behielten. Auf keinen Fall durften sie damit in Konkurrenz geraten - sie sollten sie vielmehr zusammenfassen zu einem Gesamtbild:
Vorgegebenes Thema waren Anrufungen aus der sog. "Lauretanischen Litanei" - zu finden im Gotteslob Nr. 769 (= GL 769). Diese Litanei entstand um 1200, also ungefähr zur selben Zeit wie die Wandmalereien im Marienchor. Ihren Namen hat die "Lauretanische Litanei" vom Wallfahrtsort Loreto, von wo aus sie sich ab ca. 1530 verbreitete.
Die Anrufungen - besonders im Mittelteil - spiegeln das zutiefst mystisch geprägte Heilsverständnis jeder Zeit wieder. Sie wollen nicht dogmatische, "vernünftige" Erklärungen sein. Vielmehr wollen sie den Beter anregen zur Betrachtung des Geheimnisses der Menschwerdung, das unlöslich verbunden ist mit der Gottesmutter.

Für den Künstler war das alles eine höchst anspruchsvolle und schwierige Aufgabe – er hat sie in hervorragender und reifer Weise gemeistert.

Die Farbe

Als Grundfarbe wählte der Künstler das Violett-Purpur, jene kostbare Farbe, in die sich Herrscher des Altertums kleideten. Im Alten Testament gilt die Verleihung des purpurnen Gewandes als Übertragung königlicher Macht (z.B. im Buch Ester). Purpur war die Grundfarbe in den Vorhängen um das Heilige Zelt, in dem Israels "Allerheiligstes" aufbewahrt wurde (Exodus 26 und 27).
Weil Maria den Herrscher der Welt in ihrem Leib trug - für Jesus also "bergendes Zelt" war (GL 586,2) -, und weil sie angerufen wird als "Königin", ist ihre Würde schon angedeutet in der Wahl der Grundfarbe der Fenster.

Die Symbole

Das Mittelfenster nimmt die wichtigste Anrufung der Litanei auf: "Du geheimnisvolle Rose". Wegen ihrer Schönheit und ihres Duftes galt die Rose schon in der Antike als Symbol der Liebe. In der Mystik des Mittelalters wurde die "Königin der Blumen" zum Zeichen der Himmelskönigin. Maria wurde oft mit Rosen umgeben dargestellt (z. B. Madonna im Rosenhag). Viele gern gesungene Marienlieder preisen sie so z. B. als "edle Rose" (GL 588), als "Rose ohne Dornen" (GL 879). Wer genauer hinschaut, der sieht, wie das Mittelfenster gefüllt ist mit zarten purpurnen Rosen.

Im linken Seitenfenster bezieht die oberste Einzeichnung sich auf Maria, den "Sitz der Weisheit". Für das Neue Testament ist Jesus Christus die Verkörperung der göttlichen Weisheit - so ist er dargestellt in der Halbkuppel der Apsis des Marienchores. Um die gleiche Zeichnung nicht zu wiederholen, hat der Künstler sich an das Alte Testament gehalten: dort wird die Weisheit beschrieben als geheimnisvolle Kraft Gottes, die das All erfüllt, und die Gott denen schenkt, die seinen Willen befolgen. Um diese nicht in Worten oder Bildern zu fassende Weisheit Gottes, die sich niederließ auf Maria, geht es im linken Fenster oben (GL 112,2).

Im zweiten Bild des linken Fensters ist die "Bundeslade Gottes" zu erkennen. Angedeutet ist der rechteckige Kasten der „historischen“ Bundeslade, die hier umzuckt ist von Flammen – im Alten Testament Zeichen der Unnahbarkeit Gottes. Weil der heilige, schaudererregende Gott seine Herrlichkeit auf der Bundeslade "wohnen" ließ, zog sich den Tod zu, wer sie unrechtmäßig berührte (2 Samuel 6). Der unfassbare Gott ist in Maria menschliche Gegenwart geworden - deshalb diese Anrufung.

Das dritte Bild deutet mit einer Krone hin auf Maria als "Königin", wie sie in der Litanei vielfach angerufen und in zahlreichen Liedern besungen wird.

Auf dem obersten Bild des rechten Fensters bezieht sich der Künstler auf die Anrufung "Du Morgenstern" (wie GL 879). Natürlich ist nicht ein Stern dargestellt, wie die Sternsinger ihn basteln, sondern eher das Aufblitzen eines besonders leuchtenden Sternes, dem man auch in finsteren Nächten folgen kann, weil er alle anderen Sterne überstrahlt - wie der Stern von Betlehem. `

Auf „Du starker Turm Davids“ und „Du elfenbeinerner Turm“ deutet das mittlere Bild im rechten Fenster hin. Ein legendärer Befestigungsturm Davids war behangen mit tausend Schildern (vgl. Hoheslied 4,4) – das Mittelalter sah darin einen Hinweis auf die Tugenden Marias, die sie schützen konnten vor den Angriffen des Bösen. Der elfenbeinerne Turm erinnert an kleine turmförmige Tabernakel des Mittelalters, die aus dem kostbaren Elfenbein geschnitzt waren. Maria barg ja in ihrem Leib und in ihrem Herzen jenen Herrn, der in der Gestalt des Brotes im Tabernakel gegenwärtig ist.

In dem untersten Zeichen lässt sich unschwer die Anrufung „Du Pforte des Himmels“ erkennen (GL 577). Durch Maria könne wir Zugang finden zu Christus selbst – in Christi Person ist der Himmel gegenwärtig.

Wer die Fenster in Ruhe und öfter betrachtet, wird spüren: hier schaue ich uralte „Heilige Zeichen“, umrisshafte Bilder, die hinführen können zum Geheimnis, das in keinem Bild zu fassen ist. Als „verschlüsselte Deutungen“ können sie dahin führen – den, der versucht, ihnen (im Wortsinn) „auf den Grund zu gehen“.

Der Künstler

Hubert Spierling lebt und wirkt in Krefeld
1941 – 1946 Meisterschule in Hamburg und Dortmund
1946 – 1954 Studium in Düsseldorf und Krefeld
seither Glasmalerei, Mosaiken und Wandmalerei

Die Technik

Die Gläser für diese Fenster wurden eigens in der Glashütte Lamberts in Waldsassen mundgeblasen hergestellt. Es handelt sich um 3 Schichten-Gläser aus Opakglas. In den Rechteckformen wurden die genannten Bild-Abstraktionen durch eine aufwendige Ätztechnik aus dem mundgeblasenen 3 Schichten-Glas heraus gearbeitet. Begleitet werden die Motive von leichten Konturen aus eingebrannter Schwarzlot-Farbe. Die Fenster wurden in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Glasmalerei Dr. H. Oidtmann, Linnich, hergestellt.

LageplanLageplan

Nebengebäude

 

Heute gehören zum Komplex des Doms verschiedene Nebengebäude und -räume, die fast alle erhalten sind. Von dem ehemaligen Kreuzgang im Osten des Doms sind nur noch Reste vorhanden. Über die Jahrhunderte haben diese Bauten Änderungen der Nutzung erfahren, die sich wesentlich auf ihre heute sichtbare Form und Gestaltung auswirkten.

Kapitelsaal.


 

Kapitelsaal

Der Kapitelsaal hatte zur Zeit des Stiftskollegiums eine zentrale Bedeutung. Wichtige Urkunden und Schriften wurden dort aufbewahrt, auch fanden dort wichtige Besprechungen des Stiftskapitels statt. Der gedrungene, 4,40 x 8,00 m große Raum liegt im 1. OG über dem nördlichen Teil des Kreuzgangs und überkragt ihn nördlich etwas in der Breite. Die ornamentierten Fenster sind nach Norden ausgerichtet. Seine Farbgebung, die Innenausstattung, die Holztäfelung und die Motivfenster erinnern an den Stil der Renaissancezeit.

Durch seine heute schlecht zugängliche Lage ist der Saal nur schwer erreichbar und kann daher leider nicht besichtigt werden.

Nicolaikapelle


Nicolaikapelle

Südöstlich des Doms und des Kreuzgangs liegt eine kleinere zweischiffige Kapelle. Sie wurde um 1200 von Kaufleuten der Hansestadt Soest in Form einer Kogge errichtet. Die Kaufleute nahmen vor ihren langen Handelsreisen dort Abschied von ihren Angehörigen und suchten den Schutz ihres Patrons, des heiligen Nikolaus.

Besichtigungen sind möglich im Rahmen von bestimmten Stadtführungen und nach Voranmeldung unter Telefonnummer 02921/63777 (M. Driller).

 

Innenraum Nicolaikapelle

Die Empore – im Inneren über dem Eingang - wäre über eine Tür in der Außenwand zugänglich, wenn sich dort eine Treppe befände. Die beiden im Innenraum mittig angeordneten Säulen wirken auf Besucherinnen und Besucher wie die Masten eines Schiffes.

Altar und Wandmalereien

Romanische Wandmalereien lassen sich auf die Zeit um 1230 datieren.

Altarbild der Nicolaikapelle

Das Altarbild stammt aus der Werkstatt des Conrad von Soest. Seine Entstehung wird auf 1400 geschätzt. Es stellt den Heiligen Nikolaus thronend über Abbildungen von Begebenheiten und Legenden aus seinem Leben dar.

Das Innere der Kirche wird ebenso von einem Tafelbild, einer Kreuzigungsszene, zwei Skulpturen sowie einer Pieta aus dem 15. Jahrhundert geschmückt.

Besichtigungstermine finden Sie [Hier].


 

Kreuzgang und Pilgerstation

Kreuzgang

Ein offener Ort der Besinnung inmitten der Stadt ist der Kreuzgang südlich des Domes. Im Jahr 1952 wurde nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg der südliche und östliche Flügel erneuert. Im Innenhof des Kreuzgangs befindet sich ein Altarstein und die „Patroklus-(/Friedens-) Glocke“ aus dem Jahr 1954. Die hier sichtbare Stahlglocke wurde im Jahr 1993 durch eine gleichnamige Bronzeglocke ersetzt, die im Turm heute zu feierlichen Anlässen läutet. Am Ende des Westflügels befindet sich eine Station für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Verschiedene Tafeln informieren über die Geschichte des Doms und der St. Patrokli Propsteigemeinde. Der westliche Teil des Kreuzgangs ist in den allgemeinen Öffnungszeiten des Doms frei zugänglich.

Dommuseum


 

Im ersten Obergeschoss des Westwerks auf Höhe der Orgelempore befindet sich das Dommuseum. Auf unserer Web-Seite finden Sie ein eigenes Kapitel zum Dommuseum. Besichtigungen sind nach Terminvereinbarung möglich über das Pfarrbüro Tel. 02921/67 10 660 oder 02921/15 324 (zur Heiden). Leider ist das Dommuseum nur über eine enge und steile Treppe zugänglich. Ein barrierefreier Zugang lässt sich aus Gründen des Denkmalschutzes nicht realisieren.

Westfälische Krippe


 

Krippe Bild1

Krippe Bild2

Ein besonderer Anziehungspunkt in der vorweihnachtlichen und weihnachtlichen Zeit ist für Besucher die „Westfälische Krippe“, eine der größten der Region. In einer phantasievollen westfälischen Dorflandschaft zeigt sie Szenen des biblischen Lebens um Jesu Geburt. Gemeindemitglieder bauen sie jedes Jahr in der Vierung des Domes am Westportal mit viel Hingabe auf.

Die Krippenlandschaft ist zu besichtigen in der Vierung des Westwerks vom 1. Advent bis zum Fest Maria Lichtmess des folgenden Jahres während der allgemeinen Öffnungszeiten des Domes.

Weitere Krippenbilder im Patrokli-Dom finden Sie [Hier].

Patroklus-Haus


Patroklushaus

Unmittelbar südlich angrenzend an den Dom und den südlichen Kreuzgang befindet sich das ehemalige Dechaneigebäude des Stiftes aus dem 13. Jahrhundert. Das Erdgeschoss ist fast vollständig belegt durch eine zweischiffige Säulenhalle, den „Remter“. Ursprünglich diente der Saal als Refektorium der Stiftsherren. Die darüber liegenden Räume dienten ursprünglich als Wohnräume. Sie wurden im Jahr 1976 in eine Begegnungsstätte für die gesamte Gemeinde umgewandelt. Seit 1985 trägt das Gemeindehaus den Namen „Patroklus-Haus“. Der große Saal im 1. Obergeschoss trägt den Namen von Johannes Gropper.
 

Den Eingang finden Sie unter der Adresse
Thomaestraße 2
59494 Soest
.

Johannes Gropper


(Bild im Gropper-Saal)

Johannes Gropper wurde am 24. Februar 1503 als Sohn eines Bürgermeisters in seinem Elternhaus in der Nöttenstraße (heutiges Amtsgericht Soest) geboren und studierte Philosophie und Jura. Er wirkte als Kanonikus von St. Patrokli und Pfarrer an St. Petri. Gropper begleitete seinen Kölner Bischof auf dem Augsburger Reichstag 1530 und versuchte als Prälat und Jurist zwischen alter Lehre und neuem Glauben zu vermitteln. Johannes Gropper gewann bei Vertretern der Katholischen Kirche Respekt und Anerkennung. Als Zeichen der Anerkennung seines Rates als Konzilstheologe verlieh ihm Papst Paul IV. im Jahr 1559 die Kardinalswürde. Vier Jahre später verstarb er im Vatikan und ist in Rom beigesetzt.

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