Pastoralverbund Soest

Was war das für ein Fest (Teil 1)

Der kleine Junge hockte auf dem Fußboden und kramte in einer alten Schachtel, aus der er einiges zutage förderte, ein paar Röllchen schmutzige Nähseide, ein verbogenes Wägelchen und einen silbernen Stern.
„Was ist das?“,  fragte er und hielt den Stern hoch in die Luft.
Der Junge stand auf und ging unter die Neonröhre, um den Stern, der aus einer Art von Glaswolle bestand, genau zu betrachten.
„Zeig mal“ sagte die Mutter und nahm dem Jungen den Stern aus der Hand. „Es ist ein Weihnachtsstern“, sagte sie. „Ein was?“, fragte das Kind.
„Etwas von früher“, sagte sie in die Stille hinein. „Von einem Fest“. „Was war das für ein Fest?“fragte der kleine Junge. „Ein langweiliges“, sagte die Mutter schnell. „Die ganze Familie stand in der Wohnstube um einen Baum herum und sang Lieder, oder die Lieder kamen aus dem Fernsehen, und die ganze Familie hörte zu.“
„Wieso um einen Baum?“, sagte der kleine Junge, „der wächst doch nicht im Zimmer“. „Es war eine Tanne, die man mit brennenden Lichtern oder mit kleinen bunten Glühbirnen besteckte und an deren Zweige man bunte Kugeln und glitzernde Ketten hängte. An der Spitze des Baumes befestigte man den Stern. Er sollte an den Stern erinnern, dem die Hirten nachgingen, bis sie den kleinen Jesus in seiner Krippe fanden.“ „Den kleinen Jesus“, sagte das Kind aufgebracht, „was soll denn das nun wieder sein?“
„Das erzähle ich dir ein andermal“, sagte die Mutter, die sich an die alte Geschichte erinnerte, aber nicht genau. Der Junge wollte aber von den Hirten und der Krippe gar nichts hören. Er interessierte sich nur für den Baum, der im Zimmer wuchs und den man verrückterweise mit brennenden Lichtern oder mit kleinen Glühbirnen besteckt hatte. „Das muß doch ein schönes Fest gewesen sein“, sagte er nach einer Weile.

morgen geht es weiter...