Prof. Oberreuter referierte auf Einladung des Patrokli- DomBauVereins

20.11.2012 - Soest. Die stetige Diskussion über Werte dürfe man nicht der Politik überlassen; vielmehr müsse diese Diskussion aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Dies war eine der zentralen Aussagen von Prof. Heinrich Oberreuter, der vor Mitgliedern und Freunden des St. PatrokliDombauVereins am Montagabend im Remter sprach.

Oberreuter ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Passau und Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

DBV-Vorsitzender Friedrich Siedler ( l.) überreicht Prof. Oberreuter "Fromme"-Kekse im Anschluss an dessen Vortrag.

Stellenweise ging über sein Vortragsthema „Renaissance oder Relativierung? -  Werte als Herausforderung aktueller Politik“ hinaus und versuchte klar zu machen, warum unsere bundesrepublikanische Gesellschaft ohne das historisch über Jahrtausende begründete christlich-jüdische Fundament undenkbar sei, gleichwohl aber eine säkularisierte, aufgeklärte und offene und pluralistische Gesellschaft darstelle. „Die Entstehung des modernen Staates ist historische ein europäischer Vorgang, ist ein Vorgang der Emanzipation von der christlichen Religion.“ Der Pluralismus respektiere die unterschiedlichsten Auffassungen. Und dennoch müsse die Gesellschaft über die sie tragenden Werte diskutieren, gerade auch die engagierten Christen. Andererseits wandte sich Oberreuter gegen religiösen wie politischen Fanatismus und Extremisums: Pluralität und Toleranz könne gerade nicht gelten für Kräfte und Gruppen, die sich ihrerseits genau gegen Pluralität und Toleranz richteten. Eine Gesellschaft, die diesen Einflüssen nachgebe, unterminiert sich nach Oberreuter selbst.

Eine Herausforderung bestehe darin, dass Recht normativ zu sein habe und nicht bloß das schütze, was ohnehin „common sense“ sei; der gesellschaftliche Diskurs müsse Werte definieren, die über das individuelle Nutzen-Kalkül hinausragen. „Immer, wenn wir über Werte reden, müssen wir über Andres reden, als übe Wünschenswertes.“ Um eine solche Diskussion bestehen zu können, benötigen die Diskussionsteilnehmer nach Oberreuters Auffassung historisches Fachwissen und auch Ordnungswissen. Es folgte eine angeregte Diskussion mit den Zuhörern im Remter des Patroklidomes.