Die Wandmalereien im Marienchor

Marienchor Die Wandmalereien entstammen der Zeit um 1200. Sie stellen in der Halbkuppel die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind in der Mandorla dar. Seitlich sind die drei Weisen aus dem Morgenland, Hanna, Simeon und der Erzengel Gabriel gemalt. Die Medaillons im abschließenden Ornamentfries zeigen Darstellungen der Propheten. An den Wandpfeilern und in den Fensternischen sind Gestalten aus dem alten Testament, Vorbilder von Christus und Maria zu sehen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die Wandmalereien mit einer Kalkschlämme übertüncht. Ab 1861 nahm man die Kalkschlämme ab, ergänzte den Putz und übermalte die Originalgemälde im Stil des 19. Jahrhunderts. 1935 wurde diese Übermalung weitgehend entfernt, und man nahm zurückhaltende Retuschen und farbliche Ergänzungen vor. Ab 1953 wurden kriegsbedingte Schäden durch  Putzausbesserungen und eine großflächige farbliche Überarbeitung behoben. In den Monaten Juni bis August 2005 erfolgte im Rahmen der Sanierung des Innenanstrichs  im gesamten Dom eine Festigung der gelockerten Putz- und Farbschichten, eine Reinigung und eine Retusche von Farbausbrücken.

Aus dieser Zeit stammen auch die Fenster, die in dem Chor heute zu sehen sind.

Die Fenster von Hubert Spierling

linkes und mittleres Fenster

Plakate wollen überreden, nicht anregen zum Nachdenken, deshalb sind sie verständlich auf den ersten Blick, deshalb bleiben sie aber auch oberflächlich. Und umgekehrt: was tiefere Bedeutung hat, was gar anregen soll zur Besinnung und inneren Betrachtung, das bedarf der Geduld. Dann ist zum Verstehen auch Zeit nötig, wiederholtes Hinschauen, Hineinhören. Das gilt für einen Brief des Apostels Paulus wie für eine Fuge J. S. Bachs oder ein Gemälde Marc Chagalls.

Entsprechendes gilt auch für die im Herbst 2005 neu eingesetzten Fenster im Marienchor. Dem flüchtigen Blick erschließen sie sich nicht, sondern erst dem geduldigen Schauen; sie wollen nicht überreden, sondern hinführen zur Betrachtung der Geheimnisse unseres Heiles. Wirkliche „Mysterien“ sind in einfach eingängigen, „naturgetreuen“ Abbildungen nicht darzustellen. Nachfolgend einige wenige schüchterne Verständnishilfen.

Die Aufgabe

Der Künstler war aufgefordert, die Fenster so zu gestalten, dass die romanischen Wandmalereien den Vorrang behielten. Auf keinen Fall durften sie damit in Konkurrenz geraten - sie sollten sie vielmehr zusammenfassen zu einem Gesamtbild:
Vorgegebenes Thema waren Anrufungen aus der sog. "Lauretanischen Litanei" - zu finden im Gotteslob Nr. 769 (= GL 769). Diese Litanei entstand um 1200, also ungefähr zur selben Zeit wie die Wandmalereien im Marienchor. Ihren Namen hat die "Lauretanische Litanei" vom Wallfahrtsort Loreto, von wo aus sie sich ab ca. 1530 verbreitete.
Die Anrufungen - besonders im Mittelteil - spiegeln das zutiefst mystisch geprägte Heilsverständnis jeder Zeit wieder. Sie wollen nicht dogmatische, "vernünftige" Erklärungen sein. Vielmehr wollen sie den Beter anregen zur Betrachtung des Geheimnisses der Menschwerdung, das unlöslich verbunden ist mit der Gottesmutter.

Für den Künstler war das alles eine höchst anspruchsvolle und schwierige Aufgabe – er hat sie in hervorragender und reifer Weise gemeistert.

Die Farbe

Als Grundfarbe wählte der Künstler das Violett-Purpur, jene kostbare Farbe, in die sich Herrscher des Altertums kleideten. Im Alten Testament gilt die Verleihung des purpurnen Gewandes als Übertragung königlicher Macht (z.B. im Buch Ester). Purpur war die Grundfarbe in den Vorhängen um das Heilige Zelt, in dem Israels "Allerheiligstes" aufbewahrt wurde (Exodus 26 und 27).
Weil Maria den Herrscher der Welt in ihrem Leib trug - für Jesus also "bergendes Zelt" war (GL 586,2) -, und weil sie angerufen wird als "Königin", ist ihre Würde schon angedeutet in der Wahl der Grundfarbe der Fenster.

Die Symbole

Das Mittelfenster nimmt die wichtigste Anrufung der Litanei auf: "Du geheimnisvolle Rose". Wegen ihrer Schönheit und ihres Duftes galt die Rose schon in der Antike als Symbol der Liebe. In der Mystik des Mittelalters wurde die "Königin der Blumen" zum Zeichen der Himmelskönigin. Maria wurde oft mit Rosen umgeben dargestellt (z. B. Madonna im Rosenhag). Viele gern gesungene Marienlieder preisen sie so z. B. als "edle Rose" (GL 588), als "Rose ohne Dornen" (GL 879). Wer genauer hinschaut, der sieht, wie das Mittelfenster gefüllt ist mit zarten purpurnen Rosen.

Im linken Seitenfenster bezieht die oberste Einzeichnung sich auf Maria, den "Sitz der Weisheit". Für das Neue Testament ist Jesus Christus die Verkörperung der göttlichen Weisheit - so ist er dargestellt in der Halbkuppel der Apsis des Marienchores. Um die gleiche Zeichnung nicht zu wiederholen, hat der Künstler sich an das Alte Testament gehalten: dort wird die Weisheit beschrieben als geheimnisvolle Kraft Gottes, die das All erfüllt, und die Gott denen schenkt, die seinen Willen befolgen. Um diese nicht in Worten oder Bildern zu fassende Weisheit Gottes, die sich niederließ auf Maria, geht es im linken Fenster oben (GL 112,2).

Im zweiten Bild des linken Fensters ist die "Bundeslade Gottes" zu erkennen. Angedeutet ist der rechteckige Kasten der „historischen“ Bundeslade, die hier umzuckt ist von Flammen – im Alten Testament Zeichen der Unnahbarkeit Gottes. Weil der heilige, schaudererregende Gott seine Herrlichkeit auf der Bundeslade "wohnen" ließ, zog sich den Tod zu, wer sie unrechtmäßig berührte (2 Samuel 6). Der unfassbare Gott ist in Maria menschliche Gegenwart geworden - deshalb diese Anrufung.

Das dritte Bild deutet mit einer Krone hin auf Maria als "Königin", wie sie in der Litanei vielfach angerufen und in zahlreichen Liedern besungen wird.

Auf dem obersten Bild des rechten Fensters bezieht sich der Künstler auf die Anrufung "Du Morgenstern" (wie GL 879). Natürlich ist nicht ein Stern dargestellt, wie die Sternsinger ihn basteln, sondern eher das Aufblitzen eines besonders leuchtenden Sternes, dem man auch in finsteren Nächten folgen kann, weil er alle anderen Sterne überstrahlt - wie der Stern von Betlehem. `

Auf „Du starker Turm Davids“ und „Du elfenbeinerner Turm“ deutet das mittlere Bild im rechten Fenster hin. Ein legendärer Befestigungsturm Davids war behangen mit tausend Schildern (vgl. Hoheslied 4,4) – das Mittelalter sah darin einen Hinweis auf die Tugenden Marias, die sie schützen konnten vor den Angriffen des Bösen. Der elfenbeinerne Turm erinnert an kleine turmförmige Tabernakel des Mittelalters, die aus dem kostbaren Elfenbein geschnitzt waren. Maria barg ja in ihrem Leib und in ihrem Herzen jenen Herrn, der in der Gestalt des Brotes im Tabernakel gegenwärtig ist.

In dem untersten Zeichen lässt sich unschwer die Anrufung „Du Pforte des Himmels“ erkennen (GL 577). Durch Maria könne wir Zugang finden zu Christus selbst – in Christi Person ist der Himmel gegenwärtig.

Wer die Fenster in Ruhe und öfter betrachtet, wird spüren: hier schaue ich uralte „Heilige Zeichen“, umrisshafte Bilder, die hinführen können zum Geheimnis, das in keinem Bild zu fassen ist. Als „verschlüsselte Deutungen“ können sie dahin führen – den, der versucht, ihnen (im Wortsinn) „auf den Grund zu gehen“.

Der Künstler

Hubert Spierling lebt und wirkt in Krefeld
1941 – 1946 Meisterschule in Hamburg und Dortmund
1946 – 1954 Studium in Düsseldorf und Krefeld
seither Glasmalerei, Mosaiken und Wandmalerei

Die Technik

Die Gläser für diese Fenster wurden eigens in der Glashütte Lamberts in Waldsassen mundgeblasen hergestellt. Es handelt sich um 3 Schichten-Gläser aus Opakglas. In den Rechteckformen wurden die genannten Bild-Abstraktionen durch eine aufwendige Ätztechnik aus dem mundgeblasenen 3 Schichten-Glas heraus gearbeitet. Begleitet werden die Motive von leichten Konturen aus eingebrannter Schwarzlot-Farbe. Die Fenster wurden in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Glasmalerei Dr. H. Oidtmann, Linnich, hergestellt.

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