Das Kollegiatstift

Am ehesten beschrieb die "Statuta insignis archidiaconalis ecclesiae sancti Patrocli" aus dem 16. Jahrhundert (zur Zeit der Reformation) die Führung des Kollegiatstifts.

Ein Propst wurde damals vom Soester Kapitel aus dem Kreis des Kölner Domkapitels gewählt. Er residierte in Köln, vertrat das Stift nach außen und ließ Stipendien an die Kanoniker des Stiftes verteilen. Ein Dechant leitete das Kollegiatstift im Innenverhältnis und ernannte die Vikare. Der Dechant durfte allenfalls alle 4 Wochen das Stift verlassen. Neben der geistlichen Aufsicht über die Soester Pfarreien erweiterte sich im Laufe der Jahre seine Zuständigkeit zum Landdechanten für die Gemeinden zwischen Lippe und Möhne, von Werl bis Geseke.

Die Kanoniker lebten von Zinsen und Pachtabgaben aus dem Eigentum des Kollegiatstifts. In erster Linie nahmen sie liturgische und seelsorgerische Aufgaben wahr. Daneben waren sie als Lehrer tätig und besuchten auswärtige Universitäten. Ihr regelmäßiger Wohnsitz verteilte sich auf Stiftskurien: Häuser aus dem Eigentum des Stifts, die im Stadtgebiet von Soest verteilt sind.

Beispiel einer Stiftskurie

Beispiel einer Stiftskurie am Vreithof

Die Kanoniker lebten als Priester und Diakone in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Im Gegensatz zu den Regeln des Klosterlebens konnten sie jedoch ihr Vermögen behalten und selbstbestimmt jederzeit aus der Gemeinschaft austreten. 

Ab der Übernahme des Eigentums an Turm, Schiff und Querschiff zur Zeit der Soester Fehde nutzte die Stadt mindestens den Bereich des heutigen Dommuseums ausschließlich für eigene – profane - Zwecke. Nur die Apsis und der Chorraum verblieben im Eigentum des Stifts. Dort, wo sich im Westwerk heute das Dommuseum befindet, hatte die Stadt Soest ihre Rüstkammer und verwahrte dort ihre Waffen. Über 40.000 Armbrustbolzen befanden sich in ihrem Arsenal.

Erst 1797 konnten die Eigentumsverhältnisse wieder vereint werden, als das Stift der Stadt den Turm und das Schiff abkaufen konnte. Die Geschosse verblieben dort allerdings noch bis 1884. Bis heute jedoch gilt noch ein Wegerecht der Stadt durch die „Passe“: Sie hat also ein Wegerecht durch das Querschiff von Nord nach Süd und umgekehrt.

Abb. 4: Freiherr von Ledebur

Der letzte Stiftspropst im alten Sinne war Freiherr Friedrich Clemens von Ledebur. Er wurde durch Friedrich Wilhelm III., König von Preußen am 8.11.1804 zum Propst von Soest und zum Kanoniker zu Hildesheim ernannt. Bemerkenswert ist, dass er in dieser Zeit nur zum Subdiakon geweiht, also kein Priester war. Seine Amtszeit dauerte bis 1811. Erst Jahre später, also 1826, empfing er zu seiner Ernennung zum Bischof von Paderborn die Prieserweihe.

Die Französische Revolution und die Eroberung Westfalens durch die napoleonischen Truppen brachte es mit sich, dass auch hier das Kanonikerstift am 15. Juli 1811 aufgelöst wurde.

 

Veräußerung der Besitztümer des Kollegiatstifts

Abb. 5: W. Siebigk (ca. 1935): Stiftskurien (gelb) im Stadtplan von Soest des 19. Jhdts.

Die kirchlichen Immobilien, Gebäude, auch die Stiftskurien, also die Wohnhäuser der Kleriker (in Abb. oben gelb dargestellt) wurden größtenteils enteignet oder verkauft.

Abb. 6: Sigefridus-Schrein

 

Die Verkäufe aus der nun eingetretenen wirtschaftlichen Not des Stiftes erstreckten sich nicht nur auf Immobilien sondern auch auf wertvolles Inventar, das sich über Jahrhunderte angesammelt hatte. So ist auch zu erklären, dass das Stift den wertvollen, von Meister Sigefridus geschaffenen Patroklus-Schrein aus dem 14. Jahrhundert für 3021 Taler an die preußische Münze verkaufen musste, um dringende Reparaturarbeiten am Kirchenbau ausführen zu lassen. (Abb. 6, oben) Dort erkannte man den unschätzbaren Wert des Reliquienschreins und bildete mit ihm den Grundstock der Preußischen Skulpturensammlung in Berlin.

In den Wirren nach dem 2. Weltkrieg verschwand der Schrein aus dem Depot im Flakbunker Friedrichshain. Von den 16 silbernen Figuren, die das Kunstwerk schmückten, müssen mindestens acht als endgültig verschollen gelten.

Trotz der großen Verluste, die da Stift in diesen Zeiten erlitt, können heute noch Kultgegenstände aus seiner Zeit im Dommuseum besichtigt werden.

Geschichte des Kollegiatstifts in Zahlen:

 

um 780

Bau der ersten Petrikirche als Missionskirche

836

Erste urkundliche Erwähnung von Soest

954

Gründungsbau des Patroklistiftes durch Erzbischof Bruno von Köln

964

Überführung der Reliquien des Märtyrers Patroklus aus Troyes (Frankreich) nach Soest, Gründung des St. Patroklidomes

12. - 14. Jahrhundert

Höchste Blütezeit der Stiftes; 54 Pfarreien gehören dem Stift an. Geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit durch den Propst, der als Vertreter des Kölner Erzbischofs dem Stift vorsteht. Soest ist (mit ca. 10.000 Einwohnern) größte Stadt Westfalens und führende Hansestadt.

1417

Erste schriftliche Erwähnung der Allerheiligenkirmes

1444

In der "Soester Fehde" löst die Stadt Soest sich aus der Herrschaft der Kölner Erzbischöfe. Spannung zwischen Stadt und Stift, weil dieses sich auf die Seite der Kölner Erzbischöfe stellt.

1531

Beginn der Reformation in Soest. Die Stiftsherren weigern sich, die neue Glaubenslehre anzunehmen und verlassen die Stadt, ein Teil des Patroklidomes wird evangelisch.

1548

Dechant Johannes Gropper führt die katholische Lehre wieder ein, die Stiftsherren kehren nach Soest zurück, ihnen gehört der Ostteil des Doms bis 1812.

1811

Auflösung des Stiftes durch Reichsdeputationshauptschluss

1823

St. Patrokli wird rechtlich Pfarrgemeinde, der Dom Pfarrkirche und dem Bistum Paderborn zugeordnet.

1859

Wiedererhebung zur Propsteikirche; Eberhard Nübel wird der erste Propst als Pfarrer.

 

 

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