Wie fast jeden Kirchenbau begleiten die Glocken den Dom durch seine Geschichte. Das Geläut von Kirchenglocken ist Bestandteil unserer kulturellen Wahrnehmung an Feiertagen und zu besonderen Anlässen.

von vorn: (alte) Allerheiligenglocke, Totenglocke, Bürger-/Schusterglocke

Die Geschichte

Der Gebrauch von Glocken kann Jahrhunderte überstehen. Trotzdem: Immer wieder musste das Stift und später die Propsteigemeinde in Kriegszeiten Ihren Beitrag durch Herausgabe der Glocken leisten. So musste zum Beispiel die Propsteigemeinde zum ersten Weltkrieg auf Anordnung des Reichs-Militär-Fiskus am 13. Mai 1918 eine Chorglocke und die Glocke der Nicolai-Kapelle abgeben. Drei weitere Glocken des Doms mussten im August 1918 abgegeben werden. Selbst die Kosten für Demontage und Abtransport waren vom Eigentümer zu tragen.

Erst im Jahr 1931 konnte das Geläut wieder um 3 Glocken ergänzt werden, die am 12. November feierlich geweiht wurden. Dies ist unter anderem der großzügigen Spende einer Soester Familie zu verdanken.

Im Januar 1942 fielen die Glocken des Doms erneut der Rüstungsindustrie zum Opfer. So verlor Deutschland in dieser Zeit 74% seiner Glocken. Zum Patroklusfest konnten sie ein letztes Mal vollständig erklingen, bevor fünf beschlagnahmte Klangkörper vom Turm herabgelassen wurden. Von Soest aus wurden sie in ein Depot nach Lünen gebracht.

Nach Beendigung des 2 Weltkriegs konnten 2 der Glocken im Lüner Depot nahezu unversehrt wiedergefunden werden: die Glocke Maria aus dem Jahr 1469 und die Sturmglocke des Hermann von Lemgo von 1220. Die drei Glocken von 1931 waren unauffindbar.

Der damalige Propst Carl Völlmeke initiierte 1953 einen Spendenaufruf zur Ergänzung des Domgeläuts. Nach der erfolgreichen Sammelaktion konnte die Patrokli-, die Carl-Borromaeus-  und die Hermann-Josef-Glocke beim Bochumer Verein beauftragt werden. Am 10. Januar 1954 wurden die neuen Stahlglocken feierlich geweiht und in Betrieb genommen.

Im Jahr 1990 entschied sich der Kirchenvorstand der St. Patrokli Gemeinde nach einer Begutachtung durch Glockensachverständige, die recht hart klingenden Stahlglocken gegen Bronzeglocken zu tauschen und rief wieder zu einer Spendenaktion auf. Hiermit gelang es, die Fertigung und Inbetriebnahme neuer Bronzeglocken zu finanzieren. Am 15. Juni 1991 wurden in der Eifel die Patrokliglocke, die Allerheiligenglocke, die Benedictusglocke (Bürger-Schusterglocke) und die Nikolausglocke der Nicolaikapelle gegossen. Am 19. Mai 1993 weihte Propst Winfried Dornschneider im Hof des Kreuzgangs die neúen Glocken.

21 Jahre später zeigte sich, dass die Allerheiligenglocke irreparable Risse aufwies. Man war gezwungen, eine exakte Kopie anfertigen zu lassen und die Glocke auszutauschen. Am 18. September 2015 weihte Propst Heers vor dem Dom das neue Instrument, und es wurde gegen die defekte Glocke ausgetauscht. Schon einen Tag später konnten die Soesterinnen und Soester seinen Klang kurz vor 12:00 Uhr erstmals hören.

Nach diesem nur kleinen Ausschnitt der Glockengeschichte des Doms ist es fast ein Wunder, dass sich im heutigen Bestand der Domglocken noch die alten Schätze befinden.


Beschreibungen und Klangproben der Glocken

Fast alle Glocken sind aus Zinnbronze gegossen. Ausnahme ist die Glocke 2 - Carl-Borromäus-Glocke, die aus Gussstahl besteht.

Bei Klick auf die Abbildungen werden große Bilder sichtbar.

Bild Nr. Name Guss-
jahr
Gießer Durch-
messer
(cm)
Masse
(kg)
Nominal
b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Patroklusglocke-001.jpg 1 Patrokliglocke 1991 Eifeler
Glockengießerei
Hans August Mark
205,0 5840 as -6(+)

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Carl-Borromaeus-Glocke-003.jpg 2 Totenglocke
("Carl-Borromäus-
glocke")
1953 Bochumer Verein
für
Gußstahlfabrikation
190,1 2442 b -7

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Allerheiligenglocke-009.jpg 3 Allerheiligenglocke 2015 Royal Eijsbouts
Asten/NL
155,0 2460 des' -4

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Marienglocke-001.jpg 4 Marienglocke 1469 Johan v.
Dortmund
139,6/
139,3
1820 es' -6

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Sturmglocke-001.jpg 5 Sturmglocke 13.
Jhdt.
Herman
von Lemgo
138,5 2100 f' -4

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Buergerglocke-002.jpg 6 Bürgerglocke
("Schusterglocke")
1991 Eifeler
Glockengießerei
Hans August
Mark
120,9 1280 ges' -5

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Stephanusglocke-001.jpg 7 ohne Name
("Stephanusglocke")
13.
Jhdt.
Herman von
Lemgo
99,8 765 b' -5

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Gottesglocke-001.jpg 8 ohne Name
("Gottesglocke")
1577 Rochus
Nelman
75,0 310 es'' -4

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_gr_engl_Glocke-004.jpg 9 Große
englische Glocke
("große Silber-
glocke")
13.
Jhdt.
unbekannt 59,3 170 as'' +1(p)

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_kl_engl_Glocke-001.jpg 10 Kleine
englische Glocke
("Kleine Silber-
glocke")
letztes Viertel 12. Jahr- hundert unbekannt 49 106 b'' -3(p)

b_60_60_16777215_00_images_Sankt-Patrokli_Glocken_Wandlungsglocke.jpg 11 Wandlungsglocke 1991 Eifeler
Glockengießerei
Hans August
Mark
45,6 75 c''' =0

 

Erläuterungen:
Bei der Bezifferung hinter den Schlagtonbezeichnungen bedeuten +/-/= 16tel des temperierten Halbtons über/unter/gleich in Bezug auf den Stimmton a‘=435 Hz, gemessen mit verstellbaren Stimmgabeln.
* Gewichte: Es handelt sich um Wiegegewichte.
Sämtliche Angaben Gerhard Best/Theo Halekotte 1991/92/93.


Die Anordnung

Im Turm sind die Glocken wie folgt angeordnet:

Die Anordnung des Glockenstuhles

 

In der Zeichnung liegt Osten (Richtung Apsis) oben und Westen (Richtung Petrikirche) unten. Die Glocken sind in zwei Stühlen befestigt. Im östlichen Stuhl befinden sich bis auf IV die neueren Glocken, im westlichen Stuhl die historischen Glocken.

Die hell klingende Wandlungsglocke befindet sich nicht im Turm, sondern im Dachreiter über der Vierung.


Ein Informationsblatt über das gesamte Läutwerk finden Sie Hier.gif.

Die Glocken erklingen im Vollgeläut hier:

 

Literaturverweis

Weiter Interessierte verweisen wir auf das Büchlein

ST- PATROKLI IN SOEST
Geschichte der Glocken
Hans Herbert Mönnig Verlag Iserlohn 1998
ISBN 3-933 519-07-1

 

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