Pastoralverbund Soest

b_180_180_16777215_00_images_Albertus-Bilder_Weihnachtsbrief1.jpgWeihnachten 2017

Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter,

„O Heiland reiss die Himmel auf,
herab herab vom Himmel lauf.
Reiss ab vom Himmel Tür und Tor,
reiss ab wo Schloss und Riegel vor,“

 

 

 

 

 

 

singt man in dieser Vorweihnachtlichen Zeit in vielen Kirchen. Und mir scheint, dieser Ruf wird immer dringlicher.

Ringsum nimmt Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit zu. „Woher sollen wir Brot für unsere Kinder nehmen, wenn wir keine Arbeit haben?“ Diese Frage wird uns täglich gestellt und auch wir staunen oft, wie die Menschen leben können.

Von Juni bis August waren mindestens 2/3 unserer Leute am Strand und suchten Arbeit, als Kellner, Putzfrau, Zimmermädchen usw.. Auch mit unserer Jugend war in dieser Zeit nicht viel anzufangen. Sie arbeiteten fast alle ohne einen Tag frei zu haben 14 und mehr Stunden. Und was erhielten sie? Täglich 5 -7,50 €. Nach diesen 3 Monaten ist für die Meisten nichts mehr. Keine Arbeit, denn am Strand sind alle Hotels, Lokale und Geschäfte geschlossen und es gibt keine Bauerlaubnis, so dass, wer nicht eine kleine Landwirtschaft hat ohne Einkommen ist.

Darum wundert es nicht, wenn alle nur weg wollen und um das zu erreichen, oft sogar das bisschen das sie haben verkaufen um die „Ausreisehelfer“ zu bezahlen. Und in dieser Not erliegen manche der Gefahr kriminell zu werden, Drogen anzubauen oder zu verkaufen. Aber es werden natürlich nur die Kleinen erwischt und bestraft.

Nun hat auch bei uns der Winter Einzug gehalten. Jedoch nicht mit Schnee, sondern es schüttet und stürmt, so dass wir wieder für unbestimmte Zeit ohne Strom sind. Die Kinder in Kindergarten und Schule sitzen mit Anoraks im Halbdunkel ihrer Räume. Das ist jetzt in der Winterzeit unser Alltag. Bei jedem Wind und Regen liegt alles lahm, denn die Stromleitungen sind niemals erneuert worden und für neue hat der Staat kein Geld. Da hat sich in den 23 Jahren meines Hierseins nicht viel geändert.

Soeben erhielten wir die Meldung, dass morgen alle Kindergärten und Schulen geschlossen sind, weil es an vielen Orten schlimme Überschwemmungen gibt. Wir bitten GOTT, dass unsere Leute verschont bleiben, nachdem sie schon 3x ihre Habseligkeiten davon schwimmen sahen.

Es ist klar, dass unsere Hilfe wieder verstärkt gefragt ist. Also, solange die Strasse noch offen ist, auf nach Shkoder und Vorräte einkaufen.

Doch nun schauen wir zurück auf wärmere Tage

Wie immer bestimmen Kindergarten, Schule, Jugendarbeit und Katechese weit-gehend unseren Tagesablauf. Nach einigen Reparaturen und personellen Um- und Neubesetzungen läuft nun alles. Auch wöchentliche Besuche bei alten und kranken Menschen gehören nach einer Sommerpause wieder zu unserem Programm.

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Unsere Internatsmädchen sind fröhlich und lieber als Lernen ist in der Küche mithelfen, bes. jetzt beim Plätzchen backen, denn das ist zu Hause kein Thema.

Auch uns Schwestern geht es gut. Sr. Klara durfte für 2 Monate in die Schweiz und sie wird uns jetzt mit Schwizerdütsch beglücken. Sr. Joela hat für dieses Jahr die Leitung des Kindergartens übernommen. Sr. Martina geht trotz wieder-kehrender gesundheitlicher Attacken in Ihrer Schule auf, Sr. Klodiana studiert fleissig, Sr. Luçiana unser Unikum hat neben ihrer Aufgabe als Köchin ein wachsames Auge über fast ganz Albanien und Sr. Kristina erledigt alle  Hausarbeiten, ist Sakri-stanin und Organistin in Reç.

 

 

Natürlich kamen vor Schulbeginn wie immer viele Eltern und baten um Schulmaterial für ihre Kinder. Für jedes Kind benötigt man dafür 35 – 60 €. Das ist für Familien ohne Einkommen unerschwinglich. Dazu kommen die monatlichen Kosten für Kiga, Schule und Bus.

Dank Eurer Hilfe konnten wir auch wieder einigen Kranken eine OP, Arztkosten, Medikamente und Pflegematerial ermöglichen. Es ist unvorstellbar, wie oft schwer Kranke im Krankenhaus abgewimmelt oder unmenschlich behandelt werden und mit einer Liste oft unnötiger Medikamente und Vitaminen in die Apotheke geschickt werden. Nur wer sofort einen Geldschein in die Tasche der Ärzte und Pfleger steckt erfährt rasche Hilfe. Erst gestern erlebte Sr. Klodiana, die eine bewusstlose Studienkollegin mit eingeliefert hat, welchen Schikanen und Gleichgültigkeiten die Kranken ausgesetzt sind. Da hiess es bei der Einlieferung einer noch jüngeren Frau mit Herzinfarkt von einer Ärztin:“ Die ist hinüber.“ Zum Glück kam jedoch noch ein Arzt mit Verantwortungs-bewusstsein und konnte sie retten. Solche Dinge sind leider keine Seltenheit.

Mit dem Fond eines lieben verstorbenen Freundes und eines Ehepaares erhalten 8 Studenten und Studentinnen eine monatliche Ausbildungshilfe, für die sie sehr dankbar sind und ohne die für manche das Studium unmöglich wäre.

Im Sommer fand wieder das inzwischen jährliche Sommercamp für Kinder in Rrjoll statt, das Sr. Klara mitorganisierte. Trotz meiner Sorgen um genügend Aufsichtspflicht, (ich bin halt immer noch Deutsche) ging alles gut. Die Betreuer waren kao, aber die Kinder glücklich.

Mit dem Beginn des Schuljahres hatten wir Pfarrer-Wechsel. Don Vlash, der nun Pfarrer an der Kathedrale in Shkoder ist, wurde gebührend verabschiedet und Don Marjan Gega, der neue Pfarrer sofort mit allen personellen und finanziellen Problemen der Pfarrei, bes. von Kindergarten und Schule konfrontiert. Er ist sehr eifrig und bemüht sich durch wöchentliche Bibelkurse und Gesprächsrunden in 3 Dörfern um eine christliche Formung der Jugend.

 

b_180_180_16777215_00_images_Albertus-Bilder_Weihnachtsbrief2.jpgWie schon in 2 vergangenen Jahren ist es immer noch nicht möglich bei uns zu bauen. Nicht einmal Fenster und Türen dürfen erneuert werden. Manche versuchen es in Nachtarbeit, doch immer wieder werden Strafen verhängt. So haben wir für eine Familie mit 4 Kindern ein leer gewordenes Haus gekauft. Die bisherigen Wohnverhältnisse in 2 Zimmern sind erbärmlich und führten zu etlichen Konflikten auch mit den Nachbarn.

Für eine weitere Familie mit 3 Kindern, in welcher der Vater Invalide und die Mutter psychisch krank ist, versuchen wir eine Sonder-Genehmigung für eine Hauserweiterung oder Aufstockung zu erhalten. Ob es gelingt iedoch fraglich.

Sicher interessiert es Euch was mit unseren 3 kleinen Mädchen geschah, die 1 Jahr bei uns waren, perfekt albanisch lernten und uns sehr ans Herz gewachsen sind. Nachdem die Kinder dem Vater zugesprochen wurden, holte er sie im August zurück nach Italien. Eva geht zur Schule, Iris und Emma besuchen den Kindergarten und lernen wieder Italienisch. Wir hoffen, dass der Vater genügend Geduld und Liebe aufbringt und sie zusammen ein friedliches Leben führen können.

Wie jedes Jahr besuchten uns wieder Freunde, Familienangehörige und neue Gäste, die neugierig auf uns waren. Das sind auch für uns immer erlebnisreiche Tage auf die sich alle freuen.

Obwohl sich das Aussehen von Albanien besonders in den Städten vor allem durch riesige Gebäude sehr verändert hat, wird das normale Leben für einen Grossteil der Menschen immer beschwerlicher. So häufen sich die Selbstmordversuche bes. auch junger Mädchen. Erst letzte Woche haben wir die 22 jährige Schwester unserer beiden Mädchen Agetina und Marinella beerdigt, die offenbar mit ihrem Leben als junge verheiratete Frau nicht mehr fertig wurde und sich vergiftete. Welcher Schmerz bes. für die Mutter.

Auch wenn wir manchmal an unser Grenzen kommen, so wissen wir doch, dass unser Hiersein und das was wir tun können eine grosse Hilfe für die Menschen ist. Das bekommen wir auch sehr oft von ihnen gesagt: „Wie gut dass Ihr hier seid“, was Ihr alles für uns tut“ usw..

Wir wissen und das sagen wir den Leuten auch, dass vieles nur Dank Eurer treuen, grosszügigen und häufig sehr ideenreichen Hilfe möglich ist.

So bleibt uns wie immer nur, jedem und jeder Einzelnen ein ganz herzliches Vergelts GOTT zu sagen! Ihr wisst, dass wir Euch jeden Morgen mit all Euren Anliegen und Sorgen in unserer Kapelle vor IHN bringen und oft auch einzeln mit Namen. Und wir sind sicher, dass ER jedes auch noch so kleine Opfer grosszügig lohnen wird, hier in diesem Leben oder dann wenn wir zu IHM gerufen werden.

In diesem Vertrauen gehen wir mit dankbarem Herzen zu unserem HERRN in der Krippe und legen unseren Dank, unsere Freuden und alle Nöte bei IHM nieder!

Wir alle hier in Velipojë, wünschen Euch von Herzen ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest, GOTTES Segen und Frieden für das Neue Jahr!
Eure,

Sr. M. Juditha Sr. M. Joela Sr. M. Klara  
Sr. M. Martina Sr. M. Luçiana Sr. M. Klodiana Sr. M. Kristina

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